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Stadtheide in Paderborn

Wie definieren wir die Geolage "Stadtheide" in Paderborn

Die Stadtheide ist geologisch, morphologisch und vegetationsgeographisch den südlichen Ausläufern der Sennelandschaft zuzuordnen, die als eine der interessantesten Landschaften im Norden Paderborns gelten kann. Die Senne entstand nach Rückzug der Gletscher der Saale-Eiszeit vor etwa 200 000 Jahren. Schmelzwässer schwemmten aus dem Teutoburger Wald riesige Sandmassen heraus und lagerten sie in dem etwa 250 Quadratkilometer großen Gebiet der heutigen Senne ab.

Die Vegetation dieser Landschaft besteht, bedingt durch den sandhaltigen Boden und die geringe Humusschicht, aus Heidekräutern, Birken und Kiefern. Für die Landwirtschaft ist die Senne daher kaum geeignet, und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass seit Ende des 19. Jahrhunderts dort ein großer Truppenübungsplatz geschaffen wurde.

Die Stadtheide selbst zeigt diesen sandigen Boden, weshalb wohl seit dem Mittelalter die Ackerbürger der Stadt Paderborn lediglich Weidewirtschaft („Hudewirtschaft“) betrieben. Die „Stadtheide“ gehörte den „Hudegenossenschaften“, die aus den Bauernschaften der Maspern, Königsträsser, Kämper und Western gegründet wurden (s. auch Homepage der Stadtheide-Vereinigung Paderborn e. V.).

Hinsichtlich der soziologischen Entwicklung dieses Stadtteils ist bemerkenswert, dass die Stadtheidevereinigung in den Krisenjahren nach dem I. Weltkrieg gegründet wurde, „als zusätzlich zu den politischen und wirtschaftlichen Verunsicherungen Einbrüche und Überfälle die Bewohner der Stadtheide beunruhigten. Um Abhilfe zu schaffen, fanden sich 1919 beherzte Bürger zusammen, denen das Schicksal ihres Stadtteils und seiner Bewohner nicht gleichgültig war. Sie beschlossen, gegen das Bandenunwesen vorzugehen und sich durch Gründung einer Bürgerwehr vor weiteren Übergriffen zu schützen.“ Nachdem wieder Ruhe und Ordnung eingekehrt war, wurde 1920 die Bürgerwehr aufgelöst. Ihre Mitglieder wollten sich aber weiterhin für die Geschicke ihres Wohngebietes einsetzen und gründeten darum die „Stadtheide-Vereinigung“ (ebda).

Klimatisch liegt die Stadtheide wie auch das gesamte Stadtgebiet Paderborns im Übergangsgebiet zwischen ozeanischem und kontinentalem Klima. Durch den Wechsel von wandernden Hoch- und Tiefdruckgebieten ist eine große Veränderlichkeit der Witterung bedingt. Im Allgemeinen herrschen ozeanische Einflüsse vor, jedoch können sich auch kontinentale Luftmassen durchsetzen. Erstere bringen feuchte, mäßig warme Sommer und regnerische, milde Winter mit sich, letztere dagegen heiße, trockene Sommer und kalte, meist nicht sehr niederschlagsreiche Winter. Allerdings kommt es nur relativ selten zur Ausbildung länger anhaltender stabiler Wetterlagen. Charakteristisch ist vielmehr der rasche Wechsel.

Unter den Windrichtungen herrschen eindeutig West- und Südwest vor. Ihr Anteil beträgt im langjährigen Mittel ca. 45%. Es folgen die Ost- und Südostrichtung mit ca. 28%. Die übrigen Windrichtungen treten nur relativ selten auf.

Für die Niederschläge sind fast ausschließlich die Winde aus westlichen Richtungen maßgebend. Da Paderborn schon etwas höher liegt als die westlich gelegenen Teile der Westfälischen Bucht und östlich die Egge und der Teutoburger Wald angrenzen, ist die Niederschlagsmenge etwas höher als z. B. in Münster.

Monats-und Jahresmittel der Temperatur und der Niederschläge im langjährigen Mittel (30 Jahre)

Monat Jan. Feb. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Jahr
Temperatur (Grad) 0,8° 1,5° 4,2° 7,9° 12,2° 15,4° 16,7° 16,5° 13,7° 9,9° 5,2° 2,3° 8,9°
Niederschlag (mm) 62 51 51 56 73 75 102 84 61 56 64 68 805

nach Statistisches Jahrbuch der Stadt Paderborn

Die zu unterscheidenden Gebiete der „Geolage Stadtheide“ (I – V) s. Karte

Stadtheide Teilgebiet I Begrenzung

  • im Westen (W) Dr.-Rörig-Damm
  • im Norden (N) Vüllersheide u. offene Feldflur
  • im Osten (O) vom Seskerbruch u. Rothebach, also über Detmolder Straße nach O hinaus bis zur Steubenstraße (Das Wohngebiet „Eisteich, Pagendarmweg, Rohrbachweg u. Am Niesenteich“ definiert sich nicht mehr als zur Stadtheide gehörig, wird in unserer Definition der Geolage Stadtheide dieser jedoch zugeordnet.)
  • im Süden (S) ist die Begrenzung durch den Rothebach u. die Sportplätze bis zur Mährenstraße und Bahnüberführung gegeben.

Stadtheide I mit dem Rotheweg vom Dr-Rörig-Damm bis Vüllersheide als „Achsenstraße“ muss man insgesamt als das ursprüngliche Wohngebiet bezeichnen, das zunächst vielen Mitarbeitern des Bahn-Ausbesserungswerkes und der Fahrzeuginstandhaltung als Neubau-Gebiet diente. Heute ist das Gebiet ein sehr gemischtes Wohngebiet mit z. T. recht „herrschaftlichen“ Grundstücken, die an der rückwärtigen Front, zumindest am unteren Rotheweg, bis zum Rothebach reichen. Ein- u. eineinhalbgeschossige Häuser bis zu Mehrfamilienhäusern, meist zwei- bis dreigeschossig, sind hier zu finden. An der südlichen Peripherie liegt das Sportzentrum mit der Rothekampfbahn „SV Heide 1931“.

Stadtheide Teilgebiet II Begrenzung

  • im Osten vom Dr.-Rörig-Damm
  • im Norden über „An der Talle“
  • im Westen Haustenbeckerstraße
  • im Süden bis zum DB-Ausbesserungswerk

Ein insgesamt sehr gemischtes Wohngebiet, in dem schöne Einzellagen, z.B. um den Sylter Weg, Baltrumer Weg und Helgoländer Weg, aber auch viele mehrgeschossige Hochhäuser, vor allem in nächster Nachbarschaft zu den eben erwähnten schönen Lagen eingangs des Schleswiger Weges mehrere Hochhäuser mit acht Geschossen und weiter mit sechs Geschossen. Nördlich des Schleswiger Weges bis zum Bayernweg eine ganze Reihe dreigeschossiger Mehrfamilienhäuser in streng paralleler Parzellierung.

Eine sehr enge „Atriumbebauung“ ist zu finden im Bereich Erwin-Rommel-Straße, Von-Moltke-Straße, Von-Stauffenberg-Straße. Im Nord/Osten des Gebietes II befinden sich auch noch unbebaute Flächen.

Interessant ist die dreieckförmige „Umrahmung“ mit verschiedenen religiösen Ausrichtungen: die röm.-kath. Bonifatiuskirche am Dr.-Rörig-Damm / Bonifatiusweg, die Syrisch-Orthodoxe Kirche an der Marienloher Straße / Haustenbeckerstraße und das Baptisten-Gemeinde-Zentrum am oberen Dr.-Rörig-Damm. Auch hier inmitten des Gebietes zentrale Einkaufsstätten, vor allem am Bayernweg/Dr.-Rörig-Damm.

Stadtheide Teilgebiet III Begrenzung

  • im Norden von der Marienloher Straße
  • im Osten über Haustenbecker Straße u. Hermann-Kirchhoff-Straße
  • im Süden bis zur Bahnlinie
  • im Westen bis zur Dubelohstraße

Dieses Gebiet mit seinem immens hohen Freizeitwert ist noch zur eigentlichen Stadtheide zu rechnen. „Die Fischteiche“ als eines von zwei Paderborner Naherholungsgebieten am Rande eines größeren Waldgebietes mit herrlichen Spazier- und Joggingwegen sprechen eine eigene Sprache. Ein exklusives Wohngebiet „Wilseder Weg“ (Nähe Haustenbecker Straße) liegt am Ende des Naturschutzgebietes Stadtheide und in unmittelbarer Nachbarschaft der Tennisplätze „Blau-Rot-Paderborn“. Das südliche „Dreieck“ im Anschluss an die waldreiche Zone vom Tauben- bis zum Weidenweg beherbergt insgesamt schöne Wohnlagen.

Das DB-Ausbesserungswerk (Fahrzeuginstandsetzung) mit seinem enormen Flächenanspruch muss man in diesem Gesamt-Ensemble als Fremdkörper betrachten. Es wurde hier 1913 aufgebaut, also kurz vor dem 1. Weltkrieg, und am 22.09.2013 war die 100-Jahr-Feier. Es ist als Ergänzung zur Lok- und Güterwaggon-Instandsetzung zu sehen, die von 1858 – 1960 am Paderborner Hbf Bestand hatte (heute Benteler-Röhrenwerk).